Vom 24. April ging es los für 41 Tage durch das komplette Land. Knapp 6.000 Kilometer waren wir unterwegs, vor Allem war das Ziel Süd Italien und Sizilien. Hier mal zunächst Teil 1 und Teil 2
Ich gebe zu, dass das wieder mal zu viele Kilometer waren, aber als Wohnmobilisten wird man irgendwie immer auf eine komische Art getrieben. Aber wir haben uns schon gebessert und bleiben tatsächlich mal zwei Tage irgendwo stehen. Natürlich lernt man einen Urlaubsort, an dem man ein Hotel für 2 oder 3 Wochen als Jahresurlaub gebucht hat, viel intensiver, das haben wir ja früher auch immer gemacht. Irgendwo hin fliegen, Hotel und Mietwagen, dort die Landschaft bissle erkunden, jeden Tag am Buffet essen und an den Strand liegen. Aber das möchten wir nicht mehr.
So sah unsere Tour aus:

Wir haben das HOSSiMobiL jetzt seit 8 Jahren und sind etwa 70.000 km damit in Europa rumgefahren, wer weiß, wie lange ich das noch machen kann. Nächstes Jahr werde ich 70, fühle mich noch top fit, aber wer weiß schon, was in zwei Jahren alles passiert! Und trotzdem merken wir, dass man mit einem Wohnmobil nicht alles machen kann. Man kommt zwar an Orte, die man als Normalurlauber niemals sehen würde, aber man kann in vielen Städten nicht vernünftig oder gar nicht parken. Natürlich erleichtert unser E-Roller die Sache schon, aber manchmal muss man so weit aus einer Stadt rausfahren, bis man eine Parkmöglichkeit findet, dann muss der Roller runter und dann fährt man im Wahnsinns Straßenverkehr (speziell in Italien!) mit 45km/H als Hindernis in die Stadt rein. Das ist manchmal nervig und auch nicht ganz ungefährlich. Man kann diese fehlenden 5 oder 10 km/H nicht nachvollziehen. Welcher Schwachkopf ist auf diese 45km/H-Regelung gekommen. Egal.
Auf alle Fälle bekommt man mit unserer Art zu reisen, wesentlich mehr vom Charakter eines Landes mit. Sozusagen alle Höhen und Tiefen. Und Süd Italien hat für uns viele Höhen und wunderbare Flecke, aber was halt unglaublich anstrengend ist, das ist der Verkehr, vor Allem in den Städten und der desolate Zustand der Straßen, Autobahnen und Autobahnbrücken. Und dann noch die Kamikaze Motorroller. Meistens mit viel PS, da kann es sein, dass an jeder Ampel 15 Motorroller um dich rumstehen und gleichzeitig losrasen, sobald es grün wird. Überholt wird auch bei Gegenverkehr, und das Erstaunliche daran ist, es passiert rein gar nichts. Irgendwann gewöhnt man sich daran.
Woran ich mich nicht gewöhnen konnte, sind die idiotischen Schrägparker. Also die fahren schräg vorwärts in eine viel zu kleine Parklücke und stehen dann 2 Meter in die Straße rein. Und bei Gegenverkehr kann man nicht weiterfahren. Steht dann unter Umständen 5 Minuten bis man eine Lücke erzwingt, während von hinten 40 Motorroller an einem vorbei brettern. Und diese Situationen stressen unnötig und ich bin erstaunt, dass wir ohne große Schramme diese 41 Tage überstanden haben. Wenn man von einem geschrotteten Reifen absieht. Ich kann ja nicht nachvollziehen, wie der 10cm lange Riss entstanden ist, aber wenn man über 300 Autobahnbrücken fährt und jedesmal kriegt man einen harten Schlag auf beide Achsen, dann kann ich mir gut vorstellen, dass es daran lag. Das habe ich erst daheim festgestellt, man hat den Riss nicht gesehen, weil er innen war. Zwei Mal ist sogar der Crash Sensor der Gasanlage rausgesprungen, was er normal nur bei einem Auffahrunfall macht!
Hier unser Reifen. Der Riss war wie gesagt, an der Innenseite, also da sieht man normalerweise nicht hin. Hat in unserer Größe 275 Ocken gekostet. OK, der war 8 Jahre alt, und ich musste die sowieso wechseln, aber der hätte uns auch in Italien um die Ohren fliegen können!

Es haben uns noch drei weitere Tatsachen in Süd Italien ständig begleitet, die einfach zu unserem leicht negativen Eindruck geführt haben.
Erstens: das Müllproblem, welches ständig sichtbar ist.


Hier zwei Beispiele aus Neapel! Es liegt fast auf jeder Parkbucht an einer Schnellstraße Müll. Und nicht nur zwei Tüten, sondern teilweise richtige Müllhalden, manchmal mit ner Stoßstange oder Reifen. Wir haben einen Italiener beobachtet, der aus seinem Wohnmobil am Strand ausstieg und einen kompletten Müllsack ausgeleert hat. Unglaublich.
Zweitens: Die verlassenen oder nicht fertig gebauten Häuser. Man sieht in jeder Stadt unendlich viele Bauruinen, und zwar riesige Hotels, die im langsam verrottenden Rohbau rumstehen, und viele Häuser, bei denen der erste Stock nicht weiter gebaut wurde, weil vermutlich die Jungen, für die die Wohnung vorgesehen war, in den Norden Italiens gezogen sind, weil dort halt die Industrie blüht, währen sie im Süden keine Perspektive sehen. Oder es wurde ohne Genehmigung gebaut und der Bau dann vom Staat stillgelegt. So hat es uns ein italienischer Olivenbauer erklärt. Viele Italiener aus Süd Italien haben in den 60er Jahren ihre Häuser verlassen und sind nach Deutschland gekommen um zu arbeiten.
Und drittens: Sehr viele Städte sind einfach verkommen. Und dazu gehört Neapel. Wir waren absolut geschockt! So eine verwahrloste Stadt ohne irgendetwas Schönes haben wir auf der ganzen Welt noch nicht gesehen.

Und ich hab mich so auf Neapel gefreut! Die haben nicht eine Sehenswürdigkeit! Für manche Menschen mag diese Stadt vielleicht einen gewissen Charme haben, für uns war es eine Katastrophe. Wir sind nach 2 Stunden wieder mit dem überfüllten Schrottzug

zurück nach Ercolano zum Campingplatz gefahren. Am nächsten Tag wurden wir in Pompeji absolut entschädigt, das war sagenhaft.
Egal, ich höre auf zu jammern, diese Tour war unglaublich interessant und wir haben uns einen kompletten Eindruck über das Land verschaffen können.
Und das Essen – egal wo in Italien – ist absolut sensationell. Besser kann man glaube ich nirgendwo in Europa essen. Und die Leute sind immer freundlich und fröhlich. Die feiern auf den Campingplätzen mit der ganzen Familia und grillen was das Zeug hält. Bis spät in die Nacht. Das ist außergewöhnlich.
Als wir in Apulien ankamen (das ist am Absatz Italiens) wurde die Lage irgendwie wieder besser. Man sah plötzlich viele Handwerker, in den Gärten und an den Häusern wurde eifrig gearbeitet. Die Städte durch die wir gefahren sind, waren sauberer, auch wenn hier und da trotzdem Müll auf den Parkbuchten lag, aber weniger, und man hatte das Gefühl, dass er hier wieder mehr um Tourismus geht.
Was uns umgehauen hat, das war San Marino. Wir haben uns nie um dieses winzige „Land“ gekümmert, und waren total berührt, wie schön es war.
Und unser absoluter Höhepunkt war Matera! Der alte Teil davon, die „Sassi di Matera“ ist eine riesige Felsenstadt, die sage und schreibe 9.000 Jahre alt ist. Man kann das nicht beschreiben, das muss man sehen! Dort wurden Filme wie „Die Passion Christi“, „Ben Hur“ und der James Bond Film „Keine Zeit zu sterben“ gedreht! Also wenn ich je nochmal nach Süd Italien gehen würde, dann würde ich nach Bari fliegen, Bari anschauen, und dann mit einem Mietwagen nach Matera fahren, mich dort in eines der Felsenhotels einmieten und diese Hammerstadt (also die Sassi) nochmal 3 Tage anschauen!

In Matera gab es auch ein Parkhaus für Wohnmobile. Völlig crazy!

Dann auf dem weiteren Rückweg sind wir zwei Nächte in Riccione geblieben, und das war nun wieder eine komplett andere Welt. Obwohl noch Vorsaison, war die Strandsituation verrückt. Hunderttausende Strandliegen mit Schirmen, die man mieten MUSSTE, um überhaupt an den Strand zu liegen. Und pro Tag hätte diese Kombination 40 Euro kosten sollen. Den öffentlichen Strand musste man suchen, der war dann etwa 40 x 40 Meter! Inzwischen hab ich gelesen, dass die Italienischen Strandbetreiber durch diese Methoden ganz schön eingekackt haben, weil die Urlauber diesen Mist abgestraft haben. Wir waren froh, dass wir weiter gefahren sind.
Sodele, so viel wollte ich eigentlich gar nicht schreiben. Wer möchte, kann sich ja mal unsere Filmchen bzw. Bilder anschauen. Das war noch eine kleine Katastrophe, die ich produziert habe. Aber schaut selbst.
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